Sounds of Europe – Wenn zwei Vereine gemeinsam Großes schaffen

Europa klang an diesem Sonntagabend im Steinegger Pallottisaal – facettenreich, lebendig und überraschend harmonisch. Unter dem Titel „Sounds of Europe“ präsentierten der Musikverein Steinegg und der Musikverein Friolzheim ein Gemeinschaftskonzert, das weit mehr war als eine organisatorische Kooperation: ein musikalisches Bekenntnis zu Vielfalt, Freundschaft und Zusammenhalt.

Das Projektorchester der Musikvereine Steinegg und Friolzheim unter der Leitung von Sven Sattler beim Konzert in Steinegg.

Das Projektorchester der Musikvereine Steinegg und Friolzheim unter der Leitung von Sven Sattler beim Konzert in Steinegg.

 

Was ursprünglich aus der Not – den teils schwach besetzten Registern beider Orchester – geboren wurde, entfaltete sich zu einem Projekt mit hörbarem Mehrwert. Bereits zum zweiten Mal wagten sich die beiden Vereine an ein gemeinsames Konzert. „Die Instrumente, die einem Orchester fehlen, sind im jeweils anderen vorhanden – in Summe ist das eine runde Sache“, betonte Steineggs Vorsitzender Tilo Köppe.

Nach dem gelungen Konzert vor wenigen Tagen in der ausverkauften Festhalle in Friolzheim , folgten jetzt rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörer der Einladung bei freiem Eintritt in den Steinegger Pallottisaal und erlebten einen Abend, der klanglich und atmosphärisch kaum Wünsche offenließ.

Köppe erinnerte daran, dass sich die beiden Musikvereine bereits schon einmal vor elf Jahren zusammengeschlossen hatten. Nach der jüngsten Initiative aus Friolzheim wolle man nun keine weitere Dekade verstreichen lassen, bevor wieder gemeinsam musiziert wird – beim nächsten Mal dann auch unter neuer Leitung: Denn der Steinegger Dirigent Tilo Schneider übergibt den Taktstock an Markus Ott aus Simmozheim und übernimmt selbst künftig den Musikverein Unterreichenbach.

Ein Auftakt mit majestätischem Klang
Der Abend begann feierlich: Unter der Leitung von Sven Sattler eröffnete das Orchester mit „Highland Cathedral“ von Michael Korb und Uli Roever, arrangiert von Siegfried Rundel. Auch ohne Dudelsack, entfaltete das Stück seine ganze Wirkung. Der majestätische Charakter der Melodie wurde von Klarinetten und Saxophonen getragen, die den typischen schottischen Ton eindrucksvoll zum Klingen brachten.
Mit dem Shanty „The Wellerman Comes“ nahm das Orchester anschließend schwungvoll Fahrt auf. Die rhythmisch mitreißende Vertonung des neuseeländischen Seemannslieds ließ das Publikum gedanklich auf hohe See hinausziehen. Die Musikerinnen und Musiker sangen mit hörbarer Freude – ein gemeinsamer Moment, der die Begeisterung für dieses Projekt greifbar machte. Durch das Programm führte informativ und charmant Sandra Schmidt.

Von Rockoper bis Pop-Hymne

"Sounds Of Europe" - wenn zwei Vereine gemeinsam Großes schaffen.

 

Mit Blick auf die bevorstehende Weihnachtszeit wagte sich das Projektorchester an ein Werk mit biblischem Bezug: das Titelstück aus Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ in der Bearbeitung von Willy Hautvast. Kraftvoll, präzise und mit sicherem Gespür für die dramatischen Steigerungen meisterte das Ensemble diese anspruchsvolle Komposition – eine gelungene Brücke zwischen Klassik, Rock und Sakralmusik, die beim Publikum großen Beifall fand.
Zum glanzvollen Abschluss des ersten Konzertteils folgte ein Coldplay-Medley mit den Welthits „Paradise“ und „Viva La Vida“. Hier verschmolzen Emotion und orchestrale Wucht zu einem Klangbild voller Energie und Lebensfreude. Der moderne Sound, die klare Struktur und die sichtbare Spielfreude der Musikerinnen und Musiker sorgten für strahlende Gesichter im Publikum.

Klassik, Alpenzauber und italienisches Temperament
Nach der Pause spannte das Orchester seinen musikalischen Bogen weiter über den europäischen Kontinent. Mit den Ungarischen Tänzen von Johannes Brahms – komponiert zwischen 1858 und 1869 – bewiesen die Musikerinnen und Musiker beschwingte Virtuosität. Besonders der bekannte fünfte Tanz, inspiriert von Béla Kéler und in Siegfried Rundels Blasorchesterfassung dargeboten, glänzte durch rhythmische Präzision und Spielfreude.
Bevor Sven Sattler den Taktstock an seinen Kollegen Tilo Schneider übergab, nahm das Orchester das Publikum mit auf eine klangliche Reise durch die Alpen. Larry Neecks „Glacier Express“ beschrieb eindrucksvoll die Fahrt des berühmten Zuges von St. Moritz nach Zermatt – von der majestätischen Bergwelt über stürmische Schneepassagen bis hin zu sonnendurchfluteten Tälern. Das Ensemble zeichnete mit großer Ausdruckskraft ein farbenreiches musikalisches Panorama, das im Saal lebendige Bilder entstehen ließ.
Da lag es nahe, die musikalische Reise weiter nach Süden fortzusetzen. Mit den Italo-Pop-Hits „Sarà perché ti amo“ und „Azzurro“ verbreiteten die Musikerinnen und Musiker mediterranes Lebensgefühl pur. Leicht, beschwingt und charmant erklangen die Melodien – ein sommerlicher Kontrapunkt zu herbstlicher Novemberstimmung.

Ein Abschied mit „Amazing Grace“
Zum Abschluss erklang das wohl bekannteste Kirchenlied der Welt: „Amazing Grace“, arrangiert von Manfred Schneider. Mit dieser ergreifenden Darbietung verabschiedete sich nicht nur das Orchester vom Publikum, sondern auch Dirigent Tilo Schneider nach elf Jahren als musikalischer Leiter des Musikvereins Steinegg. Vorsitzender Tilo Köppe würdigte Schneiders Verdienste, sein Engagement und seinen prägenden Einfluss auf die musikalische Entwicklung des Vereins. Erst im vergangenen Jahr war Schneiders zehnjähriges Jubiläum mit einem Festkonzert gefeiert worden.
Unter lang anhaltendem Applaus überreichte Tilo Köppe im Namen seiner Musikerinnen und Musiker dem scheidenden Dirigenten einen symbolischen „Goldenen Taktstock“ – Ausdruck des Dankes und der Anerkennung für über ein Jahrzehnt engagierter Arbeit. 
Die Vorstellung seines Nachfolgers soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Als symbolisches Dankeschön überreichte der Vorsitzende des MV Steinegg Tilo Köppe (links) dem scheidenden Dirigenten Tilo Schneider einen

Als symbolisches Dankeschön überreichte der Vorsitzende des MV Steinegg Tilo Köppe (links) dem scheidenden Dirigenten Tilo Schneider einen "Goldenen Taktstock".

 

Ein lebendiges Zeichen europäischer Verbundenheit
Zum Finale vereinten sich die Musikerinnen und Musiker noch einmal zu einem schwungvollen Ausklang: Mit „Viva La Vida“ und der Polka „Auf der Vogelwiese“ endete der Abend fröhlich, temperamentvoll und mit langanhaltendem Applaus.

Mit ihrem Gemeinschaftsprojekt „Sounds of Europe“ haben der Musikverein Steinegg und der Musikverein Friolzheim eindrucksvoll gezeigt, dass musikalische Zusammenarbeit weit mehr ist als organisatorische Zweckgemeinschaft. Sie ist ein Gewinn – für beide Orchester, für die Region und für das Publikum. Dieses Konzert war ein klingender Beweis dafür, dass Musik Brücken schlägt: zwischen Ländern, Gemeindegrenzen, Stilen – und Menschen.

(Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung von Georg Kost / infopress24.de)

 

Zurück